Das Logo

Das Institutslogo

Mit feundlicher Erlaubnis von Pille Bunnell, einer Schülerin von Humberto Maturana, darf ich für mein Institut das von ihr entworfene ehemalige Logo der American Society for Cybernetics (ASC) benutzen.

Hier finden Sie die Geschichten, wie es zu dem wunderschönen Ouroboros und er dann zu mir kam. Der folgende Text ist eine eigene Übersetzung des englischsprachigen Originals von Pille:

Drache und Salamander 
tanzen den zirkulären Pfad 
von Mystik und Natur.

Kathleen Forsythe und ich waren 1998 auf dem Weg zu einer ASC-Konferenz in Santa Cruz. Wir hatten einen Wagen in San Francisco gemietet und fuhren durch einen Wald von Küstenmammutbäumen, als wir uns entschieden, für einen kleinen Spaziergang anzuhalten. Wir bestaunten ehrfürchtig die Kreise der riesigen Bäume, deren Zentrum von einem urgroßmütterlichen Baum, hunderte Jahre alt und hunderte Jahre tot, repräsentiert wurde. Ich war in meinem Aufbaustudium wissenschaftliche Hilfskraft in Naturkunde in Bereley gewesen und erinnerte mich noch an die Freude, Salamander unter gefällten Baumstämmen zu suchen. Ich wusste, dass wir hier sehr wahrscheinlich einen California slender salamander (Batrachoceps) finden konnten und ich wollte Kathleen diesen Aspekt des Lebens, so im Kontrast zu den riesigen Bäumen und dennoch verschlungener Teil des gleichen Systems, zeigen. Zu Kathleens Vergnügen begann ich vorsichtig, Baumstämme anzuheben, darunter nachzusehen und sie dann vorsichtig wieder zurück zu legen. Ziemlich schnell fand ich, was ich wollte, und rief sie zu mir herüber.

Auf meiner offenen Handfläche lag in einem doppelten Kreis mit ungefähr zweieinhalb Zentimetern Abstand ein kleines Geschöpf. "Ist das ein Wurm?" fragte sie mich. "Nein, es ist ein Salamander, schau die klitzeklitze kleinen Beine." Für ein paar Minuten lag er, starr von der Winterkälte, absolut regungslos. Dann begann die Wärme meiner Hand ihn zu durchströmen und er begann, sich in wunderschönen anmutigen Kreisen in Bewegung zu setzen.

"Schau!" sagte Kathleen, "Er zeigt uns Rekursivität!"

Es war nach dieser Konferenz, als Kathleen und ich danach gefragt wurden, ob wir für die Präsidentschaft der ASC kandidieren würden. Ich war überwältigt und im wahrsten Sinne des Wortes für einige Minuten sprachlos. Ohne Umschweife erschien mir in meiner Stille eine Vision. Sofort als ich nach Hause kam, zeichnete ich in groben Zügen auf, was ich gesehen hatte. Das Bild von zwei Geschöpfen, eines biologisch, eines mythisch, basierend auf der Idee der Rekursion und genauso wie die mittelalterlichen Ourobori bezogen auf zwei Wissensgebiete. Dennoch, dieser neue dopplete Ouroboros platziert keine Unterwelt unterhalb einer oberen, sondern setzt vielmehr die Domäne des Biologischen, die Körperzustände des Lebendigen, in eine kontinuierliche und für beide Seiten regulierende Rekursion mit der Domäne der Kognition, der virtuellen Welt der menschlichen Vorstellungskraft. Wenn man möchte handelt es sich dabei um die harmonsiche Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft. Oder zwischen einem generativen Prozess und den sich dabei ergebenden (Natur-)Phänomenen.

Es scheint, dass die Abbildung bei fast jedem eine evokative Saite zum Klingen bringt, und niemand hat sich bisher dagegen ausgesprochen... Also hier ist das neue ASC-Logo, geboren aus der Inspiration von Mutter Natur, im Raum der Poesie, in dem ich mit meiner engen Freundin Kathleen lebe.

 


Zu mir kam das Logo auf dem Fünften internationalen Heinz von Foerster Kongress mit dem Titel „Self-Organization and Emergence in Nature and Society“ in Wien 2011, bei dem Pille einen grandiosen Vortrag mit dem Titel "Chiaroscuro: Living the Ephemerality of Distinctions and Domains" hielt. Am Ende ihrer Präsentation tauchte der Ouroborus auf und traf mich tatsächlich wie ein "sinnträchtiger Zusammenklang". Ich hatte mich im Rahmen meiner Dissertation mit Rekursionen und natürlich auch Ourobori beschäftigt, aber nie einen solchen gesehen. Nach ihrem Vortrag ging ich zu Pille und fragte sie, woher sie diesen wundervollen Ouroborus hätte und sie antwortete mir ganz lapidar: "Oh, I designed it by myself." Beim gemeinsamen Mittagessen erzählte sie mir dann die oben stehende Geschichte und erlaubte mit ganz selbstverständlich, ihn als Logo zu nutzen. 

Liebe Pille, ich danke dir sehr dafür!

Im Original

Dragon and salamander 
dancing the circular path 
of myth and nature.


Kathleen Forsythe and I were on our way to the 1998 ASC conference in Santa Cruz. We had rented a car in San Francisco and were driving through the redwoods, when we decided to stop for a walk. We gazed in awe at the circles of huge trees whose empty center represented a great-grandmother tree centuries old and centuries dead.

I had been a teaching assistant in Natural History when I was a graduate student in Berkeley, and remembered the joy of finding salamander under logs. I knew we were likely to find a California slender salamander (Batrachoceps) here, and I wanted to show Kathleen this aspect of life, so much in contrast to the great trees, yet intricately part of the same system. To Kathleen’s bemusement I began to carefully lift logs, peek under them, and gently place them back. Pretty soon I found what I wanted, and called her over.

On my open palm a little being lay in a double circle about an inch across. “Is it a worm?” she asked. “No, it’s a salamander, see the tiny little legs.” For a few moments it lay there absolutely still, torpid with the winter cold. Then the warmth of my hand began to penetrate it, and it began to undulate in beautifully graceful circles.

“Look!” said Kathleen, “It is showing us recursion loops!” 

It was after this conference that Kathleen and I were asked to run for presidency of the ASC. I was dumbstruck, quite literally I could not speak for many minutes. In my silence, a vision appeared unbidden. Almost as soon as I got home I sketched out what I saw. This image of two beings, one biological, one mythical, is based on the notion of recursion, and like the mediaeval ourobori, it refers to two domains. However, this new double ouroborus does not place an underworld below an upper one, but rather puts the domain of the biological, the bodihood of living, in a continuous mutually modulating recursion with the domain of cognition, the virtual world of human imagination. Or if one likes, it is the harmonious relationship between art and science. Or between a generative process and the arising phenomena.

It seems that the image strikes an evocative chord with almost everyone, and noone has spoken against it… so here it is the new ASC logo, born from the inspiration of mother earth, in the space of poesis I live with my soul-friend, Kathleen.