„Manchmal heißt es,

Philosophen trieben Haarspaltereien mit keinem anderen Zweck als dem,

die dafür erforderliche Disziplin zu üben -

wobei oft unbeachtet bleibt,

daß sich die größten Fortschritte im wissenschaftlichen und sonstigen Denken

gerade dem Gebrauch dieser Disziplin verdanken.“

-George Spencer-Brown-

 

Die philosophische Haltung, die sich über lange Jahre sowohl in einer intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung im Rahmen der Promotion und universitären Lehre von Dr. Lars Anken als auch durch einschlägige Weiterbildungen (mit weit mehr als 1000 Zeitstunden Gesamtumfang in DGSF- und DBVC-zertifizierten Weiterbildungsinstituten) kontinuierlich entwickelt hat und von ihm stetig weitergeführt wird, ist verwurzelt in einem systemisch-konstruktivistischen Ansatz welcher neben der Autonomie eines jeden Menschen vor Allem auch seine Einbezogenheit in unterschiedlichste soziale Systeme anerkennt. Im Fokus stehen dabei immer die dynamischen Wechselwirkungen zwischen inneren (psychischen) und äußeren (sozialen) Beziehungen. Im Rahmen von Supervisions- und Coachingprozessen kommt neben diesen beiden Ebenen noch die der strukturellen (institutionellen) Dynamiken hinzu.

Folgende drei Säulen bilden dabei das Fundament für die jeweiligen Arbeitsprozesse:

Lebensweltorientierung

Ressourcenorientierung

Lösungsorientierung

Ganz im Sinne Heinz von Foersters geht es dabei in erster Linie darum, eigene Handlungsmöglichkeiten (wieder) zu entdecken und gemeinsam geeignete Ideen für eine stimmige Verankerung in Ihrem Alltag passgenau zu entwickeln:

"Ich versuche stets so zu handeln, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird."

Dieser Gundhaltung folgend können alle Prozesse mit passend zur jeweiligen Fragestellung ausgewählten Methoden des (hypno-) systemischen Arbeitens (z.B. Hypothesenbildung, Auftrags- und Kontextklärung, zirkuläre, ressourcen- und lösungsorientierte Fragen, Reframing, die Arbeit mit Skulpturen - sowohl mit Personen als auch mit Gegenständen - Organigramme, Genogramme, Nutzen von Zeitlinien, Abbau von Barrieren, der Einsatz von Ritualen, Geschichten und Metaphern, Trance, etc.) vertieft, in weiteren Gesprächen bewertet und gegebenenfalls verändert werden, so dass Sie mit dem Ergebnis möglichst zufrieden sind. 

 

 

Theoretischer Hintergrund (vgl. Anken 2010 und 2015)

Grundsätzlich kann man sagen, dass innerhalb des „Konstruktivismus“ bei weitem keine Einigkeit über alle Argumentationsgrundlagen und deren Auswirkungen herrscht. Das breite Feld zeigt sich als „ein vielfach ausdifferenzierter Diskurs ohne systematisches Zentrum“ (Schmidt 1993, 330), wobei dieser Umstand der Heterogenität des Diskurses von den Vertreter/innen selbst durchaus als positiv erachtet wird. Heinz von Foerster erkennt –auch dank seines europäischen Hintergrundes– schon sehr früh die Implikationen, die vor allem das Prinzip der Zirkularität mit sich bringt, verknüpft man es als Kybernetik 2. Ordnung oder auch Kybernetik der Kybernetik mit erkenntnistheoretischen Fragen und so schreibt er bereits 1952 über eine „neue Dimensionalität des Argumentierens, die die lineare Kausalität ablöst“ (Foerster&Pörksen 2001, 106). Stuart Umpleby stellt hierzu treffenderweise fest, dass die Kybernetik 2. Ordnung obwohl sie hautpsächlich in den USA entstand, eigentlich eine “europäische Strategie” repräsentiert, da ihre Wurzeln im deutschen Idealismus zu finden sind (vgl. Umpleby 2005). Interessant ist bei der gesamten Entwicklung, dass das am 1. Januar 1959 von Heinz von Foerster gegründete Biologische Computerlaboratorium (BCL) seinerzeit in Veröffentlichungen z.B. zur Geschichte der Kybernetik, der Systemtheorie oder des Konstruktivismus nur sehr selten angeführt wird, wobei aber die Mitarbeiter/innen dieses Laboratoriums in der Literatur der entsprechenden Fachgebiete als maßgebliche Vertreter/innen ihrer Domänen erscheinen (vgl. Müller 2000). Beispielsweise erarbeitete dort der chilenische Neurobiologe Humberto Maturana seine „Biology of Cognition“, in der er die Erkenntnistheorie zu einer naturwissenschaftlichen Disziplin macht (vgl. Pörksen 2002), zuerst als internen Forschungsbericht (Biological Computer Laboratory, Urbana Illinois 1970, BCL Report 9.0), dessen Implikationen „heute mit Wittgensteins Tractatus verglichen“ (Hervorhebung im Original; Schmidt 2000, 2) werden. Ebenfalls dort entwickelt er in Zusammenarbeit mit Francisco Varela nur wenige Jahre danach die Theorie autopoietischer (zusammengesetzt aus den beiden Teilen griechischen Ursprungs für „Selbst“ und „Schaffen“) Systeme (Autopoietic Systems: A Characterization of the Living Organization. With an Introduction of Stafford Beer, Urbana Illinois 1975, BCL Report 9.4), die auch heute noch für enormes Aufsehen sorgt, und als charakteristisch gelten kann für den auf Transdisziplinarität bauenden und sich damit „gegen den wissenschaftlichen Mainstream“ (Müller 2000, 19) richtenden Forschungsansatz des BCL. Dieser Mainstream folgt größtenteils dem bereits 1637 von René Descartes in seinen „Hauptregeln der Methode“ geforderten Vorgehen, nämlich „jedes Problem, das ich untersuchen würde, in so viele Teile zu teilen, wie es angeht und wie es nötig ist, um es leichter zu lösen“ (Gäbe&Descartes 1997, 31). Das erfreuliche Merkmal dieser Methode der Reduktion ist, dass sie zwangsläufig irgendwann zum Erfolg führt (vgl. Foerster 2003), wobei sich für die Forscher/innen im Bereich vor allem der Geisteswissenschaften am Ende eines solchen Prozesses des Reduzierens beispielsweise im Hinblick auf die Untersuchung von Phänomenen wie Gesellschaft, Sprache, Lernen, Psyche oder Kultur die Frage stellen könnte, ob sie trotz der immer weiter vorangetriebenen Aufspaltung des ehemals Ganzen überhaupt zu beanspruchen vermögen, es am Ende noch mit dem ursprünglichen Phänomen zu tun gehabt zu haben. Gregory Bateson spricht diesbezüglich von einer „Untugend“, wenn das Beharren auf der Reduktion den Blick auf den Zusammenhang innerhalb einer größeren Gestalt verschließt (vgl. Bateson 1987). Die skizzierten linear-kausalen reduktionistischen Modellvorstellungen erscheinen auf der Basis konstruktivistischen Denkens kaum angemessen, der Komplexität beraterischer, supervisorischer oder therapeutischer Prozesse Rechnung zu tragen, dennoch lassen sie sich hier auch heute noch finden. Vor allem da, „wo die Frage gestellt wird: Was muss man machen, damit es so wird? – Was steht für ein gleichbleibendes Vorgehen; man steht für irgendjemand; machen steht für ein gleichbleibendes Tun; damit steht für ein unmittelbares Bewirken; es steht für die Sache; so steht für eine fixe Wirkung“ (Hervorhebung im Original; Kobi 1993, 282). Wie sich im vorangestellten kurzen historischen Abriss bereits gezeigt hat, ist es ein Netzwerk von Personen und Verflechtungen ihrer Ideen, welche durchaus auf unterschiedliche Weise dieses heterogene geistige Gut „Konstruktivismus“ erst hervorgebracht haben. So findet 1978 eine von Heinz von Foerster und Francisco Varela abgehaltene wegweisende Tagung hinsichtlich der Entwicklung des Konstruktivismus in der Neuzeit mit dem Thema „Die Konstruktion von Wirklichkeiten“ statt, an der viele „etablierte und hochangesehene Denker“ (Glasersfeld 1996, 49) wie beispielsweise Paul Watzlawick, der bereits zwei Jahre zuvor mit seinem Buch „How real is real?“,„inzwischen ein Klassiker der Konstruktivismusliteratur“ (Watzlawick 2002, 2), die Verabschiedung vom Realitätsbegriff traditioneller Erkenntnistheorien fordert, teilnehmen. Dieser traditionelle Realitätsbegriff geht von einer prinzipiell angenommenen Separierbarkeit von (Erkenntnis-) Subjekten und (Erkenntnis-) Objekten aus, wobei die „Objektive Wahrheit“ unabhängig vom Subjekt als ontologische Wirklichkeit postuliert wird. Und auch wenn eine solche Rekonstruktion der ontologischen Wirklichkeit für nicht tatsächlich realisierbar erachtet wird, gibt sie der wissenschaftlichen Forschung als regulative Idee dennoch die Richtung vor, in dem Sinne, dass zumindest eine (asymptotische) Annäherung an ihre Grenze gelingen kann oder sogar muss (vgl. Ceruti 2002). In Ablösung der statischen Begrifflichkeiten der klassischen Theorie wird nun im Rahmen der prozessualen Sichtweisen beim Blick auf Epistemologie diese „nicht als Theorie der Erkenntnis bzw. des Wissens an sich, sondern als Theorie des Erkenntnis- und Wissenserwerbs verstanden“ (Erste Hervorhebung des Autors; Foerster 1993a, 50). Diese Sichtweise der Kybernetik der Kybernetik, welche in weiten Teilen als Synonym für den Begriff des Konstruktivismus angesehen werden kann, geht aber noch über das rein Prozesshafte hinaus, wenn sie die dort ausgebildeten Modellvorstellungen auf sich selbst anwendet. Im Rahmen der zirkulären Sichtweise konstruktivistischer Theorien kommt es dann konsequenterweise dazu, dass in der Abkehr von der realistischen Perspektive Beobachter/innen nun selbst als Teil der von ihnen beobachteten Phänomene angesehen werden. Damit lässt sich die Idee eines „absoluten Standpunktes“, wie er in Begriffen wie Realität, Ontologie, Objektivität oder Wahrheit vorausgesetzt wird, nicht länger aufrecht erhalten. „Der Beobachter ist jemand, der etwas –selbst die eigene Person– auf eine Weise unterscheidet, als ob sie von ihm lösbar wäre“ (Hervorhebung des Autors; Maturana in: Maturana&Pörksen 2002, 28). Für die Rolle solcher Beobachter/innen ergeben sich gemäß Heinz von Foerster zwei Postulate, welche nur in ihrer Verbindung quasi als emergente Eigenschaft das hervorbringen, was Konstruktivismus genannt werden kann:

„a) Das Postulat der Selbständigkeit:

‚Ein lebender Organismus ist eine selbständige, autonome, organisatorisch geschlossene Wesenheit.’ [...]

b) Das Postulat der Einbezogenheit:

‚Ein beobachtender Organismus ist selbst Teil, Teilhaber und Teilnehmer seiner Beobachtungswelt’“ (Hervorhebung im Original; Foerster 2000, 9 f.).

Die Zirkularität bezieht sich hierbei auf zwei mögliche Dimensionen der Betrachtung: Einerseits auf die zirkuläre Verwobenheit von Subjekt und Objekt als „Ko-Konstruktion [...], welche die tradierte logische Geographie einer klaren Trennung von Erkennendem und Erkanntem, Innen- und Außenwelt hinter sich lässt“ (Varela 2002, 117) und andererseits auf die zirkuläre Verwobenheit mehrerer Subjekte (durch Sprache) miteinander. Diese grundlegende Idee lässt sich anhand zweier Zitate und deren anschließender Verbindung sehr gut ersehen: „Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt“ (Hervorhebung im Original, Maturana in: Foerster 1993b, 84; vgl. hierzu auch Maturana 1985), erstmals von Humberto Maturana im Rahmen einer Konferenz mit dem Thema „Cognition: a multiple view“ im Jahre 1968 vorgestellt (vgl. Maturana&Pörksen 2002), sowie den sich darauf beziehenden Folgesatz Heinz von Foersters: „Alles was gesagt wird, wird zu einem Beobachter gesagt“ (Hervorhebung im Original, Foerster 1993b, 85). Humberto Maturana verknüpft beide Sätze miteinander und bezieht sie zudem auf seine Theorie lebender Systeme: „Was immer gesagt wird, wird von einem Beobachter zu einem anderen Beobachter gesagt, der er selbst sein könnte. Wir sind Beobachter und lebende Systeme, und als lebende Systeme sind wir Beobachter“ (Hervorhebung im Original; 2000, 91). Innerhalb des Beratungs-, Coachings-, Supervisions- oder Therapieprozesses bedingt eine konstruktivistische Haltung vor allem die Einsicht in die Verantwortlichkeit für das eigene (sprachliche) Handeln, denn die „Erkenntnis der Erkenntnis verpflichtet. Sie verpflichtet uns zu einer Haltung ständiger Wachsamkeit gegenüber der Versuchung der Gewißheit. Sie verpflichtet uns dazu, einzusehen, daß unsere Gewißheiten keine Beweise der Wahrheit sind, daß die Welt, die jedermann sieht, nicht die Welt ist, sondern eine Welt, die wir mit anderen hervorbringen. Sie verpflichtet uns dazu zu sehen, daß die Welt sich nur ändern wird, wenn wir anders leben. Sie verpflichtet uns, da wir, wenn wir wissen, daß wir wissen, uns selbst und anderen gegenüber nicht mehr so tun können, als wüßten wir nicht“ (Hervorhebung im Original; Maturana&Varela 1987, 263 f.).

Literatur:

Bateson, G. (1987): Geist und Natur – Eine notwendige Einheit. 1. Aufl. Frankfurt am Main.

Ceruti, M. (2002): Der Mythos der Allwissenheit oder das Auge des Betrachters. In: Watzlawick, P.&Krieg, P. (Hrsg.): Das Auge des Betrachters: Beiträge zum Konstruktivismus . Festschrift für Heinz von Foerster. München, 31-60.

Foerster, H. von (Herausgegeben von S. J. Schmidt) (1993a): Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke. 1. Aufl. Frankfurt am Main.

Foerster, H. von (1993b): KybernEthik. Berlin.

Foerster, H. von (2000): Entdecken oder Erfinden? Wie läßt sich Verstehen verstehen? In: Gumin, H.&Mohler, A. (Hrsg.): Einführung in den Konstruktivismus. Beiträge von Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld, Peter M. Hejl, Siegfried J. Schmidt und Paul Watzlawick. München, 9-40.

Foerster, H. von&Pörksen, B. (2001): Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker. 4. Aufl. Heidelberg.

Foerster, H. von&Bröcker, M. (2002): Teil der Welt. Fraktale einer Ethik. Ein Drama in drei Akten. 1. Aufl. Heidelberg.

Foerster, H. von (2003): Understanding understanding. Essays on cybernetics and cognition. Berlin, Heidelberg, u.a.

Fremont-Smith, F. (1952): Josiah Macy, Jr. Foundation Conference Program. In: Foerster, H. von (Ed.): Cybernetics. Transactions of the Eighth Conference March 15-16, 1951. New York, vii-ix.

Gäbe, L. (Übers.+Hrsg.)&Descartes R. (1997): Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung. 2. Aufl. Hamburg.

Glasersfeld, E. von (1996): Radikaler Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme. Frankfurt am Main.

Klagenfurt, K. (1995): Technologische Zivilisation und transklassische Logik – Eine Einführung in die Technikphilosophie Gotthard Günthers. 1. Auflage. Frankfurt am Main.

Kobi, E. E. (1993): Grundfragen der Heilpädagogik. Eine Einführung in heilpädagogisches Denken. Bern, Stuttgart, u.a.

Lindemann, H. (2006):Konstruktivismus und Pädagogik. Grundlagen, Modelle, Wege zur Praxis. München.

Maturana, H. R. (1985): Erkennen. Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Ausgewählte Arbeiten zur biologischen Epistemologie. 2. Aufl. Braunschweig, Wiesbaden.

Maturana, H. R. (2000): Biologie der Realität. Frankfurt am Main.

Maturana, H. R.&Pörksen, B. (2002): Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. 1. Aufl. Heidelberg.

Maturana, H. R.&Varela, F. J. (1987): Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wuzeln des menschlichen Erkennens. 2. Aufl. Bern, München, u.a.

Müller, A. (2000): Eine kurze Geschichte des BCL. Heinz von Foerster und das Biological Computer Laboratory. In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 11, H.1, 9-30.

Pörksen, B. (2002): Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus. 1. Aufl. Heidelberg.

Schmidt, S. J. (1993): Zur Ideengeschichte des Radikalen Konstruktivismus. In: Florey, E.&Breidbach, O. (Hrsg.): Das Gehirn – Organ oder Seele? Zur Ideengeschichte der Neurobiologie. Berlin, 327-349.

Umpleby, S. (2005): The design of intellectual movements - Research Program in Social and Organizational Learning. The George Washington University, Washington.

Varela, F. J. (2002): „Wahr ist, was funktioniert”. In: Pörksen, B. (Hrsg.): Die Gewissheit der Ungewissheit – Gespräche zum Konstruktivismus. 1. Aufl. Heidelberg, 112-138.

Watzlawick, P. (2002): Wie wirklich ist die Wirklichkeit – Wahn, Täuschung, Verstehen. 28. Aufl. München, u.a.

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